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Wie ein Fisch ohne Wasser

Wiedereröffnung der Tagespflege Cadenberge, eine besondere Herausforderung für Team, Angehörige und Gäste.

Einiges war im Vorwege zu organisieren und vieles zu bedenken, bis dann tatsächlich Mitte Juni endlich die von vielen langersehnte Wiedereröffnung der Tagespflege in Cadenberge erfolgen konnte. Einziger wirklicher Wermutstropfen für alle Beteiligten: Zunächst ist die Anzahl der zulässigen Tagesgäste auf die Hälfte der sonst möglichen 18 reduziert, wobei der Fahrdienst aufgrund teilweise längerer Anfahrten hier bereits an den Rand seiner zeitlichen Kapazitäten gerät. Nur eine Person wird aktuell pro Fahrzeug und somit pro Tour transportiert. Sind Gäste aus Otterndorf abzuholen, nimmt dies gut 40 Minuten und je nach Verkehrslage auch gerne mal ein paar Minuten mehr in Anspruch. Wo möglich, unterstützen Angehörige nach Kräften und organisieren das Bringen und Abholen in Eigenregie. Einrichtungsleiterin Eibe von Glasow zeigt sich begeistert: „Das uns entgegengebrachte Verständnis ist großartig.“
Fiebermessen bei den Gästen vor dem Transport und beim Eintreffen in der Tagespflege, Maskenpflicht für alle Beschäftigten und die Empfehlung des Tragens auch für die Gäste sowie das Durchführen der Händedesinfektion bei und mit jedem Gast sind erste Hürden, die es noch vor dem Frühstück zu bewältigen gilt. In der Wohnküche wurden die beiden großen Gruppentische durch Zweiertische ersetzt und ein jeder erhält sein Wunsch-Frühstück direkt an seinen Platz serviert. Das Zureichen von Brot, Brötchen, Butter, Marmelade und Co., das sich in der Vergangenheit als sehr kommunikationsfördernd erwies, entfällt zwangsweise.
Aktivitäten dürfen nur in Kleinstgruppen und ebenfalls unter Beachtung der besonderen Corona-Hygienevorschriften durchgeführt werden. Sich einen Ball gegenseitig zuzuwerfen, ist deshalb beispielsweise derzeit nicht erlaubt. Selbst die Richtung für die Nutzung des Rundweges in der Einrichtung – zum Beispiel zur Erreichung des WCs – ist fest vorgegeben, um Begegnungen, die zur Unterschreitung des Mindestabstandes führen könnten, zu vermeiden. Pfeile, die die Laufrichtung vorgeben, sind daher für alle gut sichtbar auf dem Boden fixiert.
Doch das Team ist kreativ und macht aus der Situation das Beste. So bildete am Wiedereröffnungstag das Üben des An- und Ablegens der Mund-Nasen-Maske als kleine Trainingseinheit den Einstieg in die jeweilige Kleinstgruppenarbeit. Brille und Hörgerät erwiesen sich bei manch einem als hinderlich, hinzu kamen teils auch altersbedingte motorische Einschränkungen. „Ich fühle mich wie ein Fisch ohne Wasser“, so eine 97-jährige Dame nachdem sie ihre Alltagsmaske erfolgreich angelegt hatte. Ein Gefühl, das wohl viele nachvollziehen, wenn nicht sogar mit ihr teilen können. Dabei erleichtert es die Handhabung vor Ort ein Stück weit, dass für Gäste keine Maskenpflicht ausgesprochen werden darf, da es bei Demenzerkrankten Aggressionen auslösen kann.
„Zum Glück haben wir schönes Wetter“, äußert sich Eibe von Glasow auch mit Blick auf die weitere Entwicklung optimistisch und ergänzt, „Gleich werden wir unsere Zwischenmahlzeit draußen auf unserer Terrasse einnehmen können.“
Noch vor dem allgemeinen Lockdown im März hatte das Tagespflege-Team in Hochbeeten Salat, Petersilie, Schnittlauch und Wurzeln ausgesät. „Heute können wir mit der Ernte beginnen und auch den Duft der frischen Kräuter genießen“, freut sich Hauswirtschaftsmeisterin Ina von der Fecht, die aus dem Pflücksalat eine köstliche Beilage zum Mittagshauptgang, einem Spargelauflauf, kreierte.

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