Über uns

Nähwerkstatt für Kinder

Ein gemeinsames Projekt startete die DRK-Kita Franzenburg mit der Grundschule in Franzenburg.

Nach einer umfangreichen Vorbereitungszeit von fünf Monaten ging das Projekt am 25.04.19 endlich an den Start. Andrea Sprenger, Erzieherin mit einer heilpädagogischen Zusatzausbildung aus der DRK-Kita Franzenburg, leitet schon seit über zwei Jahren eine Nähwerkstatt im Kindergarten. Ihre Vorstellung die Erstklässler der Grundschule und die angehenden Schulkinder der Kita zusammenzuführen, wurde von beiden Institutionen befürwortet. Hier gilt der Dank den Leitungen Frau Schultheis und Frau Krewega, ohne deren Zusage diese Werkstattarbeit nicht möglich gewesen wäre. Vielen Dank auch an die Lehrerin Sabine Pietsch. Sie ist die direkte Ansprechpartnerin der Schule und hat durch viele nützliche Tipps das Projekt unterstützt und auch die Klasse von Frau Pichtsmeyer vermittelt. Ein weiteres Dankeschön gilt der Lehrerin Frau Pichtsmeyer, da sie sich auf das Projekt eingelassen hat und für eine gute Zusammenarbeit gesorgt hat.
Die Projektfinanzierung wurde durch die „Stiftung der Ev. Luth. Kirchengemeinde Altenwalde“, dem „Förderverein der Franzenburger Schule e.V.“ und „Wir für uns in Altenwalde e. V.“ ermöglicht. Von den Spendengeldern konnten Nähmaschinen, Stoffscheren, Stoffe und andere Nähutensilien gekauft werden. Ein großes Dankeschön dafür, dass die Sponsoren diese neue Form der sozialen Zusammenarbeit in Altenwalde befürworteten. Zuletzt musste noch eine Plottermaschine her, damit wir die Schriftzüge für unsere Turnbeutel plottern konnten. Lieben Dank an Frau Schultheis, dass wir uns diese Maschine zulegen konnten. Ohne die wöchentliche, sehr engagierte Unterstützung von Frau Gentsch, Mutter eines Kindergartenkindes, wäre die Projektarbeit ebenfalls kaum vorstellbar gewesen.
Die Nähwerkstatt für die Kinder! Was bringt einem die Idee, wenn keiner mitmachen möchte. Über dieses Problem mussten wir uns keine Gedanken machen. Einige Wochen vor Beginn wurden Gespräche mit den Kindern geführt, im Kindergarten sowie in der Grundschule. Alle 15 Vorschulkinder, die einen Nähführerschein erworben hatten, waren begeistert und wollten gleich am nächsten Tag in die Schule. Das ging natürlich nicht, also hatten die Kinder beschlossen Lose zu ziehen. Jeder wollte der Erste sein. Das Losverfahren hat die Reihenfolge bestimmt und somit wussten die Kinder, wann sie ungefähr an der Reihe sind. In der Klasse von Frau Pichtsmeyer haben sich 19 von 20 Kindern gemeldet, die das Interesse hatten zu nähen. Auch hier wurde ein Losverfahren umgesetzt. Da es für alle etwas Neues ist, hat Andrea Sprenger als Einstieg einen Turnbeutel vorgenäht. Auf dem unteren Teil des Turnbeutels wird ein Schriftzug aufgebügelt, damit für alle sichtbar ist, wer den Beutel genäht hat. Die Schulkinder hatten Bedenken, ob deren Turnschuhe in den Beutel passen würde. Wir haben dann die Schuhe von einem Kind mit der größten Schuhgröße in den Beutel gelegt: es passte wunderbar!
Das Hauptziel bei dieser gemeinsamen Nähwerkstatt ist, den Kita – und Schulkindern einen gemeinsamen Bildungsweg anzubieten und somit einen anschlussfähigen Übergang vom Elementar- in den Primarbereich zu gestalten. Ein weiterer Grund für diese gemeinsame Arbeit entspringt aus dem Konzept der offenen Arbeit. Einfach mal andere Wege gehen, neue Horizonte ansteuern und die Öffnungsprozesse zur Grundschule erweitern - immer im Interesse der Kinder und ihrer Entwicklungschancen.
Am ersten Nähtag waren wir schon ein wenig aufgeregt. Eine Stunde vor Beginn haben wir den uns zur Verfügung gestellten Raum erst einmal erkundet. Wir haben geschaut, wo die Steckdosen sind und wo wir die Nähmaschinen optimal platzieren könnten. Wie können wir die Arbeitstische hinstellen, damit die Kinder genügend Platz haben und trotzdem eine Gemeinschaft bilden? All solche Fragen gingen uns durch die Köpfe. Die Arbeitstische wurden mit dem Arbeitsmaterial ausgestattet. Die verschiedenen Stoffe wurden ausgelegt, der Bügeltisch vorbereitet. Als die Werkstatt vorbereitet war, haben wir die Kinder aus dem Kindergarten abgeholt und gemeinsam mit ihnen die Schulkinder aus deren Klasse. Dann wurde richtig gearbeitet, keiner mochte so richtig sprechen und einige Kinder haben sogar auf die große Schulpause verzichtet, damit sie noch mehr Zeit zum nähen haben. Ein Mädchen wurde von ihren Freundinnen abgeholt, die Schuhe von ihr in der Hand hatten, um mit ihr in die Pause zu gehen. „Bringt sofort meine Schuhe wieder zurück, ich bleibe hier, ich möchte fertig werden.“ war ihre Antwort. Beim Ertönen der Pausenglocke stand unsere Tür zum Flur auf und die Kinder aus den angrenzenden ersten Klassen haben sich gefreut uns zu sehen. Neugierig betrachten sie unsere Arbeit und viele von ihnen waren sich schnell einig, dass sie sich auch gerne zu uns setzen und nähen wollten. Der erste Nähtag war dann auch schnell um. Alle haben fleißig beim Abbau und Aufräumen geholfen.
Zusammengefasst kann nun ein immer wiederkehrender Ablauf beobachtet werden, der sich bewährt hat:
Einmal die Woche wird die Nähwerkstatt für zwei Unterrichtsstunden geöffnet. Zwischen den Stunden ist eine große Schulpause, da haben die Kinder die Möglichkeit sich auf dem Schulhof auszutoben.
Pro Nähtag haben sechs Kinder die Möglichkeit teilzunehmen (3 Schulkinder/ 3 Kitakinder). Die Werkstatt basiert auf eine freiwillige Teilnahme. Jedes Kind arbeitet solange an seinem Nähstück, bis es fertig ist. Danach rückt das nächste Kind nach.
Die Nähwerkstatt wird eine halbe Stunde vor Beginn von den Kindergartenkindern und den Erwachsenen vorbereitet. Die Schulkinder werden immer abgeholt. Anschließend finden sich alle in einem Stuhlkreis zusammen: Die Kinder werden begrüßt, alle stellen sich vor und die Kinder werden informiert, wie der Ablauf ist. Hier erfahren die Kinder, dass sie selber entscheiden dürfen, welche Stoffe/Kordeln sie verarbeiten möchten. Außerdem dürfen sie entscheiden, ob sie in die große Pause gehen oder nicht. Es hat sich nach dem ersten Mal herausgestellt, dass es für einige Kinder ein wichtiges Thema ist. Es gibt Kinder, für die das Toben wichtig ist und es gibt Kinder, die sehr ehrgeizig sind und noch mehr Zeit zum Nähen haben möchten. Eine tolle Sache, dass die Kinder ganz nach ihren Bedürfnissen arbeiten können. Dadurch steigt die Motivation der Teilnahme.
Wir achten darauf, dass alle Kinder sämtliche Arbeitsschritte unter unserer Aufsicht und Anleitung größtenteils alleine ausführen. Dafür benötigen einige schon bis zu vier Unterrichtsstunden.
Es passieren natürlich auch Fehler: Plötzlich wird der ganze Beutel zusammen- oder zugenäht oder der Stoff wird ungewollt zerschnitten. Bei einigen Kindern stand das Muster plötzlich auf dem Kopf. Manchmal will die Nähmaschine nicht so wie wir, dann wird alles auseinander genommen, um nach dem Fehler zu suchen.
Nach der großen Pause haben die Kitakinder Hunger. Wir haben aber nur Getränke dabei, es sollte doch vorher gefrühstückt werden. Die Schulkinder haben ihr Pausenobst freundlicherweise abgegeben. Also nehmen wir in Zukunft Äpfel mit. Ein Kitakind wollte nach der großen Pause wieder in den Kindergarten, er war doch nur mitgekommen, um seinen Bruder zu treffen. Ein Weiterer hatte nach 15 Minuten geäußert, wieder in den Kindergarten zurück zu gehen. Das gehört einfach dazu. Die anderen 20 Kinder waren aber mit wachsender Begeisterung dabei und waren stolz, als sie ihre Turnbeutel endlich auf den Rücken gebunden hatten.
Leider war der Zeitraum zu kurz und nicht alle Kinder konnten an diesem Projekt teilnehmen. Das hat bei uns Erwachsenen schon ein gewisses Druckgefühl ausgelöst, aber ein schnelleres Arbeiten war und ist uns nicht möglich. Ansonsten würden die angestrebten Ziele darunter leiden.
Fazit: Nach Rücksprache mit allen Beteiligten wird die Nähwerkstatt auch im kommenden Schuljahr (ab September 2019) weiter betrieben. Wir werben bereits für weitere Projekthelfer/ -innen, um die Nähwerkstatt künftig besser betreuen zu können.
Da sich die Idee zur gemeinsamen Arbeit bewährt hat und unsere ersten Unsicherheiten schnell verflogen sind, wird die Werkstattarbeit künftig entspannter verlaufen, unter anderem auch weil wir dann weniger Zeitdruck verspüren. Die Kinder können künftig anhand einer Schnittmustermappe selber entscheiden, was sie nähen möchten. Die hieraus entstehenden Objekte hat Frau Sprenger bereits als Muster vorgenäht.
Das Hauptziel, den Kindern einen gemeinsamen Bildungsweg anzubieten, wurde erreicht. Die Kinder haben in der kurzen Zeit erste Kontakte miteinander geknüpft. Einige Kinder kannten sich durch gemeinsame Sportinteressen/ Vereine, andere haben sich gefreut, alte Spielkameraden aus der Kindergartenzeit wieder zu treffen. Es konnte auch beobachtet werden, dass die Kinder Verantwortung übernommen haben, indem sie andere Kinder unterstützt haben.
Nun machen wir eine Sommerpause, um neue Ideen zu sammeln und freuen uns schon, wenn es im Herbst wieder losgeht!

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