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Sechs Jahrzehnte Blutspenden in Cadenberge

DRK Cadenberge feiert im Rahmen der insgesamt 106. Spendenaktion.

Vom Megafon bis zu einem Blutspendedienst auf Abwegen: Der DRK-Ortsverein Cadenberge feierte jetzt unter seiner Vorsitzenden Antje Rohwedder ein besonderes Jubiläum. Vor 60 Jahren fand die erste Blutspendenaktion im Ort statt. Seitdem gab es bei 105 Terminen insgesamt 11047 Spender. Ein Rückblick.
Es war im Februar 1958, als auf dem Saal der ehemaligen Gastwirtschaft „Schützenhof Alfred Karsten“ (dort, wo das heutige „MarC5“ steht) insgesamt 93 Spender zusammenkamen, um Blut zu spenden. Irene Zahrte, die damalige Vorsitzende des Ortsvereins, hatte gemeinsam mit ihrem Team die Veranstaltung auf die Beine gestellt. Auch wenn es keine Fotos mehr gibt, die von diesem Ereignis einen anschaulichen Nachweis darstellen, so erhält man von Zeitzeugen eine ungefähre Vorstellung, wie denn die Anfänge des Blutspendens in Cadenberge ausgesehen haben.
„Unten war der Clubraum, oben der Saal“, erinnert sich Gisela Kühlcke, von 1992 bis zum Jahr 2010 die Vorsitzende des Ortsvereins. „Dort fand auch die Blutspende statt.“ An eine Begebenheit aus den Anfangsjahren kann sie sich erinnern: „Die Feuerwehrleute erschienen immer zahlreich in Dienstkleidung und haben ganz fleißig gespendet. Danach ging es aber ab zum Tresen“, muss sie grinsen. Vom Beginn der 60er- bis in die 80er-Jahre gab es eine Kooperation des Cadenberger mit dem Geversdorfer DRK-Ortsverein. Der „Schützenhof“ in Cadenberge ist längst Geschichte, seit mehr als 30 Jahren finden die Termine für die Blutspende in der Grundschule statt. Als Ausweichstätte steht den Rot-Kreuzlern in den Schulferien das „MarC5“ zur Verfügung. „Vier Jahre lang haben wir auch einen Termin am Sonntag im Seniorenheim Haus Am Dobrock angeboten“, erzählt Irene Wischhusen, die seit Juni 2009 die Geschicke bei den DRK-Blutspenden in Cadenberge lenkt.
Bei einem üblichen Spendetermin sind es durchschnittlich 15 Helfer des Ortsvereins Cadenberge, die für einen reibungslosen Ablauf sorgen. „Auch wenn die eigentliche Spende für die Bevölkerung von 16 bis 20 Uhr geht, ist es für die Helfer immer eine Acht-Stunden-Schicht, die vom Aufbauen ab 14 Uhr bis zum Abbauen schon bis 22 Uhr dauert“, gewährt Irene Wischhusen einen kurzen Einblick in das zeitliche Schema eines Blutspendetermins. Sie betont die gute Zusammenarbeit mit der Oberschule Cadenberge und ihrer Lehrerin Katja Bolowski, deren Hauswirtschaftsklasse gerne die Spendetermine unterstützt.
Was hat sich seit den Anfängen von vor sechs Jahrzehnten bis heute auffallend geändert? „Früher trugen die Damen noch ganz andere Dienstkleidung. Das sah viel strenger aus und nicht so locker wie heute mit unseren Shirts“, fällt Gisela Kühlcke spontan ein. „Beim Essen im Anschluss an die Spende wurde tatsächlich noch ein richtiges Abendbrot gereicht“, blickt Irene Wischhusen auf die kulinarischen Unterschiede. Und Christel Matheis, die seit 1965 Mitglied im Ortsverein Cadenberge ist und dort schon viele Funktionen, von der zweiten Vorsitzenden bis zur Schriftführerin ausgeübt hat und aktuell schon seit Jahren an der Anmeldung bei der Blutspende sitzt, hebt die technische Veränderung im Laufe der Jahrzehnte hervor: „Früher habe ich noch mit einer Schreibmaschine an der Anmeldung gesessen und jeden Namen einzeln eingetippt. Heute wird der Ausweis des Spenders ganz einfach eingescannt.“
Welche Anekdoten aus über 100 Blutspendeterminen in Cadenberge gab es? „Einmal hatten wir das Gefühl, dass wir noch etwas für unseren Blutspendetermin am Nachmittag werben sollten“, berichtet Gisela Kühlcke verschmitzt. „So bin ich gemeinsam mit Manfred Iburg, dem Gebietsreferenten des DRK-Blutspendedienstes aus Cuxhaven, mit einem VW Bus durch den Ort gefahren. Das war 1997. Er hat mich kutschiert und ich hatte ein Megafon in der Hand. So habe ich die Bevölkerung per Lautsprecher aufgefordert, zur Blutspende zu kommen. Im heutigen digitalen Zeitalter ist so etwas sicher unvorstellbar.“ Sorge kam vor einigen Jahren auf, als der Blutspendedienst aus Westerstede nicht wie gewohnt pünktlich vor dem Termin in der Cadenberger Grundschule erschien. „Es war schon 15 Uhr, wir schauten alle nervös auf unsere Uhren, denn die Blutspende sollte ja um 16 Uhr beginnen“, erinnert sich Irene Wischhusen. „Als sie dann endlich eintrafen, waren wir erleichtert. Sie schwärmten von der schönen Gegend und wo sie denn überall vorbeigekommen seien. Wir guckten uns nur verwundert an und wussten, dass sie nicht den direkten Weg nach Cadenberge genommen haben konnten.“
Nun fand also vor wenigen Tagen der zweite Blutspendetermin in diesem Jahr in Cadenberge statt, der im Zeichen des 60-jährigen Jubiläums stand. Erst seit dem Jahr 2012 bietet der Ortsverein jährlich vier Termine an. Dort werden die Spendewilligen vorbildlich umsorgt. An die Kinderbetreuung ist gedacht und wenn es mal, wie vor einigen Jahren im Hochsommer, aufgrund eines technischen Problems etwas länger an der Anmeldung dauern kann, dann hilft das nette Team des Cadenberger DRK-Ortsvereins aus und verschafft den Wartenden im „MarC5“ Abkühlung in Form eines Eis für jeden.
In 2014 gab es die Überlegung, „was man denn mal für die Kinder anbieten könnte“, so Irene Wischhusen und man bot einen Luftballonweitflugwettbewerb an. Und wenn es, wie vor fast genau einem Jahr, im April 2017, „nur“ 99 Spender sind, dann wird auch gerne kurzerhand das Telefon in die Hand genommen: „Ein Anruf bei Geoffrey Venohr genügte und in Kürze wurde er zu unserem 100. Spender an diesem Tag“, muss Irene Wischhusen lachen.
„Früher bekamen die Jubiläumsspender auch noch ein ganz anderes Dankeschön überreicht“, vergleicht Gisela Kühlcke. „Damals bekam jeder zum Beispiel für seine 25. Spende eine rote Nelke.“ Heute, bei der Jubiläumsspende, gab es für jeden der 99 Spender eine rote Rose und zur Feier des Tages ein Glas Sekt. Ein Grillbüfett rundete die Veranstaltung ab. An einem sogenannten „Memory-Board“ konnte man außerdem einen Blick auf vergangene Zeiten werfen.

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